So wenig Lärm wie möglich


Arbeiter mit Gehör- und Gesichtsschutz

Foto: © Firma Helisan

Lärm ist jeder Schall, der zu einer Beeinträchtigung des Hörvermögens oder zu einer sonstigen mittelbaren oder unmittelbaren Gefährdung von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten führen kann. Hier spielen insbesondere Tageslärmexpositionswerte, also der auf eine Person einwirkende Lärm über einen 8-Stunden-Zeitraum, von über 80 Dezibel (dB) eine Rolle.

In der Bundesrepublik Deutschland arbeiten etwa vier Millionen Personen in Bereichen, in denen gehörschädigender Lärm auftreten kann. Trotz Vorbeugung und technischem Fortschritt ist die lärmbedingte Schwerhörigkeit immer noch die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit. Im Jahr 2012 wurden etwa 12.000 auf Lärm zurückzuführende Berufskrankheiten angezeigt. Ungefähr 6600 Fälle wurden von den Unfallversicherungsträgern dem Grunde nach anerkannt. Diese wiederum führten zu 349 neuen Rentenzahlungen, was bedeutet, dass die Schädigung der Gesundheit durch Lärm bereits so gravierend ist, dass zumindest eine teilweise Erwerbsminderung vorliegt. Die Behandlungskosten und Rentenzahlungen müssen letztlich von den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern (Berufsgenossenschaften und Unfallkassen) getragen werden und sind damit Kosten für die Allgemeinheit.

Lärm am Arbeitsplatz gefährdet die Gesundheit und die Sicherheit der Beschäftigten. Hinsichtlich der Gesundheitsgefährdung wird zwischen auralen (auf das Ohr bezogenen) und extraauralen (auf den menschlichen Körper mit Ausnahme des Ohres bezogenen) Wirkungen unterschieden. Die Schädigungen können sowohl reversibel als auch irreversibel sein. Häufigste irreversible aurale Schädigung ist der Gehörschaden, der sich durch eine ausgeprägte bleibende Hörminderung mit eventuell zusätzlichen Beeinträchtigungen wie Tinnitus, Doppeltonhörigkeit oder Hyperakusis (erhöhte Geräuschempfindlichkeit) bemerkbar macht und bereits ab 80 dB (A) über einen Zeitraum von 8 Stunden (typischer Arbeitstag) entstehen kann. Gehörschäden haben für die Betroffenen und ihr berufliches sowie privates Umfeld erhebliche soziale wie gesundheitliche Beeinträchtigungen und Benachteiligungen zur Folge. Dazu gehören eine dauerhaft verminderte Lebensqualität, eine zunehmende soziale Isolation auf Grund eingeschränkter Sprachkommunikation und entsprechende Folgeerkrankungen. Hinzu kommt die Einschränkung oder sogar der Ausschluss von bestimmten Arbeitsmöglichkeiten. Vermindertes Hörvermögen erhöht auch potenziell die Unfallgefährdung im Betrieb, z.B. durch Nicht-Hören von Warnsignalen und hat damit mittelbar Einfluss auf die Sicherheit der Beschäftigten.

Die Schutzmaßnahmen vor beruflicher Lärmexposition hat der Arbeitgeber auf Grund seiner Gefährdungsbeurteilung festzulegen und durchzuführen. Der Arbeitgeber steht also in der Verantwortung, wenn es darum geht seine Beschäftigten vor Lärm zu schützen. Hierbei hat er primär technische Lösungen zu realisieren, z.B. durch die Beschaffung leiserer Maschinen, die Einkapselung von Maschinen oder den Einsatz von schallabsorbierender Raumausstattung. Erst wenn die technischen Maßnahmen ausgeschöpft sind, hat der Arbeitgeber die Beschäftigten durch organisatorische Maßnahmen zu schützen, z.B. durch eine Begrenzung der Arbeitsdauer in bestimmten Lärmbereichen. Persönliche Schutzmaßnahmen, wie Gehörschutz in Form von Kapselgehörschützer oder In-Ohr-Gehörschutz (z.B. Oropax ®) dürfen nur als ergänzende Maßnahmen angewandt werden, wenn die vorgenannten Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben.

Das für den betrieblichen Arbeitsschutz zuständige Dezernat 56 bei der Bezirksregierung Köln überprüft in Betrieben regelmäßig die Lärmbelastung der Beschäftigten. Leider zeigen sich bei den Kontrollen immer wieder massive Mängel und Verstöße hinsichtlich der Gefährdungsbeurteilung und der eingesetzten Schutzmaßnahmen zum Thema Lärm. Aus diesem Grund führt die Bezirksregierung Köln im Jahr 2015 verstärkt Betriebsüberprüfungen zum Thema Lärm durch. Ziele dieser Aktion ist es, eine möglichst große Anzahl von Menschen vor berufsbedingten Gefahren und Gesundheitsschäden durch Lärm zu schützen.