Unsere Zukunft: Perspektiven für junge Leute


Auszubildende der Bezirksregierung Köln

Auszubildende der Bezirksregierung Köln

Mit 4,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern hat unser Regierungsbezirk Köln etwa die Bevölkerungszahl von Neuseeland, Norwegen oder Kroatien und wäre als selbständiger Staat immer noch größer als gut 80 andere Staaten dieser Erde. Für die verschiedensten Angelegenheiten unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger sind gerade einmal 1.850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei uns tätig. Man könnte sich die Frage stellen: Ist es attraktiv nach der mittleren Reife, dem Abitur oder gar abgeschlossenen Studium eine Ausbildung bei uns zu beginnen? Habe ich dort einen sicheren Arbeitsplatz? Kann ich dort ein duales Studium absolvieren, bei dem man obendrein auch noch Geld verdient?


Wie sollen wir Dir denn das Studium finanzieren? Und nach dem Studium folgt bestimmt ein unbezahltes Praktikum auf das nächste. Willst Du nicht lieber ein duales Studium machen?

Eltern eines Anwärters, der das Studium mit dem Bachelor of Laws beenden wird.

Diese Frage werden sich viele gestellt haben auch die, die gerade die Ausbildung für den gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst durchlaufen. Einige von ihnen hatten zum Teil auch ganz andere Berufswünsche. „Während der Schulzeit wollte ich im Anschluss an das Abitur eigentlich Politikwissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin studieren“, sagt einer der Anwärter, und mit seinem Abiturdurchschnitt von 1,7 hätte das auch bestimmt geklappt. Dann die Argumente seiner Eltern: „Wie sollen wir Dir denn das Studium finanzieren? Und nach dem Studium folgt bestimmt ein unbezahltes Praktikum auf das nächste. Willst Du nicht lieber ein duales Studium machen?“ Bei seinen Recherchen im Internet wurde ihm schnell klar, dass mittlerweile alle großen Unternehmen mit derartigen Angeboten locken. Und als gesellschaftlich interessierter Mensch wusste er natürlich auch, dass in Zeiten des Fachkräftemangels die Arbeitsplatzsicherheit in Zukunft kein Alleinstellungsmerkmal des öffentlichen Dienstes sein würde.

Heute sitzt er im Hörsaal an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, am Standort Köln, zusammen mit 26 anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen – gleichsam alles „Pioniere“. Denn sie gehören zum ersten Ausbildungsjahrgang, die das duale Studium im Sommer mit dem Bachelor of Laws beenden werden.


Schon die Ausbildung ist unglaublich vielseitig

Anwärterin.

Personalmanagement, Organisationspsychologie und Fremdsprachen, aber auch eine Vertiefung im Staats- und Europarecht stehen auf dem Stundenplan des vierten und letzten theoretischen Studienabschnittes an der Fachhochschule. In vier Praxisabschnitten haben sie bereits verschiedene Einblicke in die Arbeit unserer Behörde gewinnen können wie etwa die Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern an Berufskollegs, die Überwachung von gentechnischen Produktionsanlagen und die Förderung von mittelständischen Unternehmen mit Mitteln aus dem europäischen Sozialfonds.

„Schon die Ausbildung ist unglaublich vielseitig“, schwärmt eine andere Anwärterin. „Nach meinem Studium stehen mir viele Türen offen“. Das war wohl auch einer der Gründe, warum sie sich für eine Ausbildung bei uns entschieden hat.

Ob sie vor knapp drei Jahren die richtige Berufsentscheidung getroffen habe? „Auf jeden Fall“, erwidert sie spontan. „Ich finde es faszinierend zu sehen, wie ich demnächst schon als Regierungsinspektorin weitreichende Entscheidungen treffen kann, die mitunter ganz viele Menschen betreffen. So viel Verantwortung hätte ich nicht sofort erwartet.“

Es erfüllt sie mit Stolz, ihre Arbeit künftig in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Vor ihr liegen jetzt aber erst einmal noch die Bachelorarbeit und der letzte Praxisabschnitt. Diesen wird sie in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen in Brüssel absolvieren.

Was aber hat sich für die Studierenden durch den Bologna-Prozess mit der Umstellung vom Diplomstudiengang auf ein Bachelorstudium geändert? „Vor allem das modulare Prüfungswesen“, erklärt der Ausbildungsleiter unseres Hauses. „Anstelle einer Staatsprüfung am Ende der dreijährigen Ausbildung, in der alle Themen des Studiums geprüft wurden, gibt es nunmehr Leistungsnachweise am Ende der einzelnen Studienabschnitte. Dies erfordert von den angehenden Inspektorinnen und Inspektoren kontinuierliches Lernen ab dem ersten Tag.


Was aber hat sich für die Studierenden durch den Bologna-Prozess mit der Umstellung vom Diplomstudiengang auf ein Bachelorstudium geändert? "Vor allem das modulare Prüfungswesen"

Ausbildungsleiter Wolfgang Franken.

Wer das Klassenziel auch im Wiederholungsversuch nicht erreicht, bei dem endet die Ausbildung bereits nach neun Monaten.“

Seit 2009 bilden wir wieder regelmäßig im gehobenen Dienst aus: derzeit sind es in Köln etwa 25 bis 30 Personen pro Jahr. Ein erfreulicher Trend nach Jahren des Stellenabbaus. Aber die Einstellungen sind auch dringend notwendig. Schätzungen gehen davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren ein Drittel unserer Beschäftigten in den Ruhestand geht. Im Moment profi tieren wir von hohen Bewerberzahlen aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge. Rund 700 Bewerbungen auf knapp 30 Stellen gingen im gehobenen Dienst für das Einstellungsjahr 2013 ein. Aber die Konkurrenz zwischen Unternehmen und Behörden oder sogar Behörden untereinander um die besten Kandidatinnen und Kandidaten wird immer größer. Um die Nase vorne zu behalten, müssen wir unseren Anwärterinnen und Anwärtern schon einiges bieten. So gibt es etwa die Möglichkeit eines Auslandssemesters an einer der Partnerhochschulen, eines Praxisabschnitts im europäischen Ausland oder die eines berufsbegleitenden Masterstudiengangs im Bereich Public Management.

Schwieriger stellt sich die Bewerberlage in der technischen Verwaltung dar. Hierfür suchen wir Ingenieure (egal, ob mit Bachelor, Master oder Diplom), staatlich geprüfte Techniker oder Handwerksmeister. Einsatzmöglichkeiten gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen, etwa dem Arbeitsschutz oder der Bauaufsicht, der Vermessungs- oder der Umweltverwaltung. Vor der Einstellung als Beamtin oder Beamter auf Probe müssen alle jedoch einen Vorbereitungsdienst durchlaufen, der je nach Laufbahn und Fachrichtung zwischen 15 Monaten und 2 Jahren dauert. Und genau hier liegt ein Problem, denn für die Bewerberinnen und Bewerber in der allgemeinen inneren Verwaltung, die frisch von der Schule kommen, sind Bezüge um die 1.000,00 € brutto während der Ausbildung völlig akzeptabel. In der technischen Verwaltung suchen wir aber gestandene Handwerksmeisterinnen und -meister, die oftmals eine Familie ernähren müssen, oder frisch gebackene Ingenieurinnen und Ingenieure, die bei Unternehmen der Privatwirtschaft für ein Vielfaches dieses Betrages direkt in den Beruf einsteigen können.

Für manche Bewerberin und Bewerber aus dem europäischen Ausland ist das jedoch kein Hinderungsgrund – insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise in den südlichen EU-Ländern. Wir bekommen in letzter Zeit viele Bewerbungen aus Spanien, Griechenland oder Portugal, wobei bereits die Anschreiben oftmals ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache vermissen lassen. Denn auch Ingenieurinnen und Ingenieure bei uns müssen bereits bei Beginn ihrer Tätigkeit fl ießend Deutsch sprechen. Gute Chancen haben sie jedoch, wenn sie in der Schule bereits Deutsch hatten oder im Rahmen des Erasmus-Programms ein oder zwei Semester in Deutschland studiert haben. Mit der Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Landes könnten sie in unserer technischen Verwaltung auch verbeamtet werden.


Besonders gut gefällt mir, dass ich viel in Betrieben vor Ort auf Inspektionen bin. Einen reinen Bürojob hätte ich mir nie vorstellen können

eine aus Spanien stammende Beamtenanwärterin.

In der 18-monatigen Ausbildung für den gehobenen Dienst der Arbeitsschutzverwaltung etwa lernen sie ausgewählte Bereiche kennen, wie z.B. Strahlenschutz, Lenkzeiten für Berufskraftfahrer oder Sprengstoffwesen. „Besonders gut gefällt mir, dass ich viel in Betrieben vor Ort auf Inspektionen bin. Einen reinen Bürojob hätte ich mir nie vorstellen können“, sagt eine aus Spanien stammende Beamtenanwärterin. Auf die Frage, ob es schwer für sie sei, als Spanierin im öffentlichen Dienst in Deutschland tätig zu sein, überlegt sie nur kurz. Schwierig sei die Verwaltungssprache mit der man in Gesetzen und Verordnungen konfrontiert werde. „Aber alle sind hier sehr kollegial und helfen mir, wenn es mal mit der Sprache hakt.“ Die spanische Kollegin wird von den männlichen Mitauszubildenden fachlich akzeptiert. „Bei uns in Spanien studieren viel mehr Frauen ingenieurwissenschaftliche Fächer als in Deutschland.“

Dank dem Bologna-Prozess sind Studienabschlüsse immer besser untereinander vergleichbar. Im technischen Bereich ist es daher nur noch von nachrangiger Bedeutung, ob jemand in Irland, Spanien oder Polen studiert hat. Die spezifi sch verwaltungswissenschaftlichen Inhalte werden erst nach dem Studium in der Ausbildung, dem sogenannten Vorbereitungsdienst vermittelt.


Der ständige Wechsel zwischen Ausbildung im Gelände, Tätigkeit im Büro und Besuch der Berufsschule hat mir besonders gut gefallen. Es war mir nie langweilig

Auszubildender zum Geomatiker

Eine Berufsausbildung im „klassischen“ Sinne machen hingegen unsere angehenden Geomatiker, allerdings in einem besonderen Ausbildungsgang: diesen Ausbildungsberuf gibt es nämlich erst seit 2010. Die Geomatiker lernen nicht nur Geodaten zu erfassen und zu verarbeiten, sondern diese gleichzeitig mit Hilfe von modernen Medien zu visualisieren. Der erste Ausbildungsjahrgang wird in diesem Sommer nach dreijähriger Lehrzeit seine Abschlussprüfung ablegen. Dann müssen die Auszubildenden zeigen, dass sie sowohl die klassischen Methoden der Vermessung und Kartographie beherrschen als auch den Umgang mit aktuellen und komplexen Computerprogrammen. „Der ständige Wechsel zwischen Ausbildung im Gelände, Tätigkeit im Büro und Besuch der Berufsschule hat mir besonders gut gefallen. Es war mir nie langweilig“, sagt einer der Auszubildenden. „Besonders spannend fi nde ich es, dass von mir vermessene Geländeabschnitte demnächst in allen Karten von Nordrhein-Westfalen und sogar in Navis von Autos oder Handys abrufbar sind“. Aber er hat für die Zukunft noch mehr vor: „Nach meiner Ausbildung schreibe ich mich für Geodäsie und Geoinformation an der Uni Bonn ein.“ Für uns als Behörde geht der begabte junge Mann nicht verloren: Nach seinem Bachelor oder in 5 Jahren nach seinem Master strebt er eine weitere Ausbildung bei uns an: „als Vermessungsoberinspektoranwärter oder als Vermessungsreferendar.“

Gut 80 junge Menschen starten jährlich in einem der 21 verschiedenen Ausbildungsgänge in unserem Haus. Dabei reicht das Spektrum von klassischen Berufen über duale Studiengänge bis hin zu speziellen Programmen für Hochschulabsolventen, die sich weiter in natur-, wirtschafts- oder ingenieurwissenschaftlichen Richtungen ausbilden lassen wollen. Somit bieten wir Chancen für Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerer Reife, der (Fach-)Hochschulreife oder abgeschlossenem Studium. Egal, ob Sie aus Düren, Leipzig, Lissabon oder Thessaloniki stammen, wir freuen uns auf Sie!