Stiftungen: Trends und Visionen


Beethoven-Haus in Bonn. © Beethoven-Haus, Bonn

Beethoven-Haus in Bonn. © Beethoven-Haus, Bonn


Seit Jahren steigt die Anzahl der Stiftungen in unserem Regierungsbezirk. Stolz sind wir auf unsere Bürgerinnen und Bürger, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. Über 1.000 rechtsfähige Stiftungen des privaten Rechts, die wir anerkannt haben, sind bei uns im Bezirk aktiv. Dazu gehören große Stiftungen, die über einen zweistelligen Millionenbetrag als Stiftungsvermögen verfügen oder jedes Jahr ein hohes Spendenaufkommen haben. Aber auch kleinere Stiftungen, die mit einem Mindestvermögen von 50.000 € errichtet worden sind, können in ihrem Umfeld Gutes tun. Am 10.10.2011 wurde die Kulturstiftung Kölner Dom als 1.000. Stiftung anerkannt. Ihr Zweck ist die umfassende Förderung des Weltkulturerbes Kölner Dom sowie die damit verbundene Förderung von Kunst und Kultur.

Wer Erfolg im Leben hatte, möchte oft der Gesellschaft etwas zurückgeben. Kurz vor dem Ende des Berufslebens oder nach Eintritt in das Rentenalter suchen zudem viele Menschen eine neue Aufgabe, bei der sie ihre finanziellen Mittel, aber auch ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten sinnvoll einsetzen können. Oft werden Stiftungen auch von älteren Stifterinnen und Stiftern noch über mehrere Jahrzehnte begleitet. Die rückläufige Kinderzahl in Deutschland wirkt sich ebenfalls aus. Viele ältere Menschen, die keine eigenen Kinder haben, möchten der Nachwelt in Form einer Stiftung etwas hinterlassen. Besonders bekannt sind Stiftungen mit überregionaler Bedeutung, wie z.B. die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Aber auch die Leistungen von Stiftungen, die Museen betreiben oder maßgeblich finanzieren, ob im Kunst- und Kulturbereich (z. B. das Beethoven- Haus in Bonn und das Keramion in Frechen), im Sportbereich (z.B. das Deutsche Sport- und Olympia-Museum in Köln) oder im Technikbereich (z.B. das Odysseum in Köln), werden von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen.

Private Stifterinnen und Stifter und eine alt-katholische Gemeinde haben sich in Bonn zusammengefunden, um mit Hilfe der Stiftung Namen-Jesu-Kirche und einer öffentlichen Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen die Namen- Jesu-Kirche in der Bonner Innenstadt zu renovieren und mit Leben zu füllen. Viele Stiftungen unterstützen Jugendliche, die sozial benachteiligt sind. Sie wollen deren Lebensbedingungen verbessern und ihnen so eine faire Chance geben, sich weiter zu entwickeln. Andere Stiftungen fördern besondere Talente, z.B. in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Sie finanzieren Bildungsprojekte bis hin zur Ausstattung eines Lehrstuhls. Stipendien werden vergeben, um begabte, aber nicht so finanzstarke Nachwuchskräfte zu unterstützen. Projekte in Wissenschaft und Forschung werden gefördert, häufig zur Erforschung von Krankheiten, unter denen die Stifterinnen und Stifter oder ihre Familienangehörigen selbst gelitten haben. Sie wollen dadurch ihren Beitrag dazu leisten, dass andere Menschen vor den Folgen dieser Krankheit bewahrt werden. Andere Forschungsprojekte leisten ihren Beitrag dazu, dass Deutschland international seinen hohen technischen Standard behält, und sichern dadurch gleichzeitig Arbeitsplätze. Stiftungen loben Preise aus, die besonders gut gelungene Arbeiten oder Praxisbeispiele belohnen und gleichzeitig bekannt machen sollen, damit sie Nachahmer finden. Viele Stiftungen kümmern sich um Behinderte. Eine Stiftung hat z.B. den Zweck der „Förderung körper- und mehrfachbehinderter Menschen durch Maßnahmen und Einrichtungen zur beschäftigungstherapeutischen, heilgymnastischen und sonstigen Förderung, insbesondere durch Kindergärten, Wohn- und Freizeiteinrichtungen, die Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam integrierend umfassen“. Andere Stiftungen wiederum helfen älteren Menschen. Die Unterstützung reicht von der Unterhaltung eines Altenheimes oder Hospizes bis hin zur Durchführung von Ausflügen, Weihnachtsfeiern sowie der Finanzierung von Weihnachtsgeschenken für ältere Mitbürgerinnen und -bürger. Auch Künstlerinnen und Künstler stiften ihren Nachlass, um diesen der Nachwelt zu erhalten und öffentlich zugänglich zu machen. Viele Stiftungen kümmern sich auch um Einrichtungen in anderen Teilen der Welt, in denen es den Menschen, insbesondere den Kindern, nicht so gut geht wie hier in Deutschland. Mit vergleichsweise geringen Fördersummen können dort erhebliche Verbesserungen erreicht werden.

Ohne die Stiftungen wäre das öffentliche Leben deutlich ärmer. Dies gilt gerade in der heutigen Zeit, in der die angespannte Finanzsituation vieler Kommunen dazu geführt hat, dass die kommunale Finanzierung kultureller und sozialer Einrichtungen zurückgefahren werden musste. Eine Vielzahl von Stiftungen haben solche Aufgaben übernommen.

In den letzten 15 Jahren sind bundesweit, auch bei uns im Regierungsbezirk, zahlreiche Bürgerstiftungen entstanden. Eine Bürgerstiftung wird in der Regel von mehreren Stifterinnen oder Stiftern errichtet. Eine Initiative zu ihrer Errichtung kann auch von Einzelpersonen oder einzelnen Institutionen ausgehen. Eine Bürgerstiftung soll wirtschaftlich und politisch unabhängig und weder konfessionell noch parteipolitisch gebunden sein. Jeder kann die Initiative ergreifen und Gleichgesinnte suchen, die Zeit, Ideen oder Geld einbringen. Das Stiftungsvermögen von Bürgerstiftungen steigt infolge von Zustiftungen häufig in den ersten Jahren nach der Anerkennung stark an. Auch wer nicht die finanziellen Möglichkeiten hat, kann durch seine Tätigkeit für die Bürgerstiftung Gutes bewirken. Durch eine intensive Information der Öffentlichkeit über die anstehenden Projekte soll allen die Möglichkeit gegeben werden, sich daran zu beteiligen. Nach den Erhebungen der Initiative Bürgerstiftungen haben bundesweit 21.000 Bürgerstifterinnen und -stifter in rund 300 Bürgerstiftungen bislang mehr als 200 Millionen € Stiftungskapital eingebracht. Hinzu kommen jährlich ca. 480.000 Stunden an ehrenamtlicher Tätigkeit. In Zeiten, in denen einerseits das Individuum und seine Unabhängigkeit stark betont werden, andererseits aber der Verlust von Bindungen beklagt wird, leben insbesondere die Bürgerstiftungen die Vision eines solidarischen Miteinanders. Davon profitieren nicht nur diejenigen, die von den Bürgerstiftungen unterstützt und gefördert werden, sondern auch die Engagierten selbst. Das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden, ist – gerade auch nach dem Ende des Berufslebens – wichtig für ein zufriedenes Leben. Weitergehende.