Gute Voraussetzungen: Männer und Frauen. Familie und Beruf.


Arbeitsgespräch der Gleichstellungsbeauftragten der Bezirksregierung Köln

Arbeitsgespräch der Gleichstellungsbeauftragten der Bezirksregierung Köln


Bei uns sind gleiche Arbeitsbedingungen für Männer und Frauen selbstverständlich. Deshalb liegt unser besonderes Augenmerk auf der Erleichterung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für alle. Dazu gehört eine Personalführung, die alle Beschäftigten in ihren jeweiligen Lebenssituationen ernst nimmt.

Eine Personalpolitik, die Lebens- und Berufsphasen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ihre Überlegungen einbezieht, bietet eine Vielzahl von Gestaltungsansätzen, um Berufstätigkeit und Karriere zu ermöglichen. Sie bezieht bewusst die unterschiedlichen Phasen in Planungen und Entscheidungen ein. Sie fördert nicht nur einseitig berufsorientierte Karrieren, sondern bewertet familiäres Engagement von Frauen und Männern positiv. Auch bei Einstellungen, Umund Versetzungen sowie Abordnungen wird Rücksicht auf die familiäre Situation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genommen.

Viel zu lange waren dabei jedoch ausschließlich Frauen im Blickfeld. Hier haben wir einen neuen Akzent gesetzt. Wir wollen auch Männer und Väter dabei unterstützen, sich in gleichem Umfang und in gleicher Weise wie Frauen, Zeit für ihre Familie zu nehmen. Schon heute nimmt eine langsam steigende Anzahl von Männern die Möglichkeit in Anspruch, in Elternzeit zu gehen oder Teilzeitmodelle zu wählen. Wir freuen uns zu beobachten, dass sowohl Vorgesetzte als auch Kolleginnen und Kollegen diesen Trend ohne Vorbehalte unterstützen. Wir treten dafür ein, sich über Stereotypen, Vorurteile und Rollenmuster klar zu werden und diese aufzubrechen. Es ist heute keine Seltenheit mehr, dass Väter ihren Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen – es darf sogar darüber gesprochen werden. Noch werden Einkommensverluste und Akzeptanzgründe beklagt, aber als notwendige Konsequenz eines familiären Engagements gesehen. Je mehr Väter jedoch selbstbewusst und selbstverständlich Beruf und Vatersein leben, desto schneller wird der daraus resultierende gesellschaftliche Wandel Nachteile relativieren. Führungskräfte für ihre eigenen sozialen Verpflichtungen in der Familie oder vergleichbare Strukturen zu sensibilisieren, ist auch Bestandteil zahlreicher Gespräche, mit denen wir das Bewusstsein für eine angemessene Balance schärfen wollen. Damit kommen wir dem im Landesgleichstellungsgesetz NRW festgeschriebenen Beratungsauftrag nach.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch eine familienbewusste Behördenorganisation zu ermöglichen, ist nicht nur für die Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern von großer Bedeutung, sondern auch für uns als Arbeitgeberin. Damit lassen sich auch die Folgen des demografischen Wandels abfedern. Mit familienfreundlichen Angeboten können wir Beschäftigte besser anwerben und an uns binden. Familienfreundlichkeit stellt heute einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor dar. Der Öffentliche Dienst ist hier besonders gut aufgestellt und hat Vorbildfunktion.

Viele unterschiedliche Arbeitszeitmodelle, Teilzeit in allen Variationen, Heimarbeitsplätze in stetig zunehmender Anzahl, Beurlaubung und flexible Arbeitszeit stellen das Gerüst für die familienunterstützende Behördenkultur dar. Flankiert werden diese Angebote durch eine Ferienbetreuung für Kindergarten- und Schulkinder im Verein Zeughauspänz e.V., der von Beschäftigten ehrenamtlich geführt wird. Dass hier auch Kinder benachbarter Unternehmen mitspielen dürfen, ist erwünscht und wird als Bereicherung angesehen. Für eine plötzliche Notfall-Situation steht zudem ein Eltern-Kind-Büro zur Verfügung.

Unsere Behördenpolitik stellt gleichzeitig eine höhere Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine deutlich bessere Leistungsfähigkeit, eine stärkere Behördenbindung und eine geringere Fluktuation der Beschäftigten sicher. Weitere Vorteile dieser Ausrichtung liegen in kürzeren familienbedingten Ausfall- und Fehlzeiten. Diese genannten Maßnahmen zielen auch darauf ab, die persönliche Gesundheit und damit auch die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und zu stabilisieren.

Wer über Vereinbarkeit von Familie und Beruf spricht, denkt meist an die Bedürfnisse junger Eltern. Doch es gibt inzwischen auch bei uns immer mehr Berufstätige, für die das Thema Pflege von heute auf morgen zu einem Problem wird. Aufgrund der zu erwartenden hohen Anzahl von Beschäftigten, die sich zukünftig in einer familiären Pflegesituation befi nden, wird eine schnelle und zuverlässige individuelle Beratung immer wichtiger. Teilzeit zu beantragen oder sich beurlauben zu lassen, ist in einigen Fällen eine notwendige Konsequenz. Ausgehend von der Annahme, dass viele Pflegeaufgaben von den Beschäftigten neben der Berufstätigkeit geleistet werden, bieten wir den Kontakt zu einem externen Beratungsdienst an. Der Eltern- und Seniorenservice der AWO soll in Notsituationen unterstützend beraten und vermitteln.

Im Jahr 2008 wurde eine gesetzliche Pflegezeit eingeführt. Zunächst nur für Tarifbeschäftigte, seit 2012 auch für Beamtinnen und Beamte verbindlich geregelt, stellt dieses Gesetz eine erhebliche Erleichterung für die Betroffenen dar. So haben unsere Beschäftigten einen Anspruch darauf, kurzfristig auf Zeit, 10 Tage oder bis zu einem halben Jahr, aus dem aktiven Berufsleben herauszugehen und sich um die Pflege von Angehörigen zu kümmern. Der Anspruch auf Dienstbefreiung ohne Besoldung besteht immer dann, wenn Beschäftigte einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen.

Seit dem 1.1.2012 gibt es mit der sogenannten Familienpflegezeit darüber hinaus eine weitere Möglichkeit die Arbeit zu flexibilisieren. Mit dieser Regelung soll pflegenden Beschäftigten ermöglicht werden, ihre Arbeitszeit in einem Zeitraum von bis zu 2 Jahren auf bis zu 15 Stunden pro Woche zu reduzieren, um Angehörige zu pflegen. Durch Aufstockung des Arbeitsentgelts besteht trotzdem die Möglichkeit die finanzielle Lebensgrundlage zu erhalten. Zur Finanzierung der Entgeltfortzahlungen während der Familienpflegezeit sind langjährige Regelungen zu Arbeitszeit- und Lohnverzicht notwendig. Außerdem sind Pflichtversicherungsverträge für eine eventuell nicht mehr mögliche Rückkehr des pflegenden Beschäftigten, z. B. aus gesundheitlichen Gründen, abzuschließen.

Wir verzichten während der Familienpflegezeit auf gut ausgebildete, engagierte und spezialisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bieten ihnen eine Arbeitsplatzgarantie obwohl kein Rechtsanspruch darauf besteht, da es in Nordrhein- Westfalen hierfür noch keine gesetzliche Grundlage gibt.

Obwohl das Familienpflegezeitgesetz des Bundes keinen Rechtsanspruch vorsieht, werden künftig diejenigen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber eine höhere Attraktivität besitzen, die dennoch ihren Beschäftigten Pflegezeiten im Sinne des Gesetzes einräumen. Dies ist in Zeiten des Fachkräftemangels ein weiterer Baustein beim Wettbewerb um die besten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Baustein zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist - während der Familiengründungsphase - eine zuverlässige und pädagogisch qualifizierte Kinderbetreuung. Auch für uns ist es von großem Vorteil, wenn die Beschäftigten auf zuverlässige Unterstützung bei der Betreuung zurückgreifen können. Gut ausgebildete Frauen kehren dann in der Regel nach der Geburt ihrer Kinder früher an ihren Arbeitsplatz zurück, nehmen eine kürzere Beurlaubung in Anspruch und arbeiten bald wieder in Vollzeit.

Es ist unser besonderes Anliegen, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser Lebenssituation zu unterstützen. Dazu wurden zunächst Hemmnisse für einen schnellen Wiedereinstieg nach der Familienphase identifiziert. Das größte Problem war: die Kinderbetreuung. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, unter Einbeziehung eines freien Trägers ein Betreuungsangebot zu schaffen, die sogenannte Großtagespflege.

Die wesentlichen Merkmale unseres Angebotes sind:

  • Betreuung von bis zu 9 Kindern,
  • qualifizierte Tagespflegepersonen sowie
  • geringere bauliche Hürden.

Wir planen den Kindern unserer Beschäftigen eine zuverlässige, pädagogisch anspruchsvolle Betreuung anzubieten. Dies soll in Büronähe mit einem externen Träger und festangestelltem Tagespflegepersonal verwirklicht werden.