Bodenbewegungsgebiete


In Nordrhein-Westfalen bewirken Steinkohlenbergbau und Braunkohletagebau großflächige Bodenbewegungen mit Auswirkungen auf den geodätischen Raumbezug. Die Bereiche mit großräumigen Bodenbewegungen werden als Bodenbewegungsgebiete überwacht.

Als Teil des gesetzlichen Auftrags der Landesvermessung wird seit den 1970er Jahren das sogenannte Leitnivellement als Präzisionsnivellement in Bodenbewegungsgebieten zur Überwachung von Vertikalbewegungen und zur Aktualisierung von Höhenwerten genutzt. Die Abgrenzungen der Bodenbewegungsgebiete sind gemeinsam mit dem Ministerium des Inneren, der Bergbauaufsicht und den bergbaubetreibenden Unternehmen abgestimmt. Sie begrenzen Verdachtsgebiete, in denen die jährliche höhenmäßige Bodenbewegung mehr als +/- 3 mm pro Jahr [mm/a] betragen können.

Die Bereitstellung der Bodenbewegungsgebiete erfolgt aus datenschutzrechtlichen Gründen durch Kacheln der Größe 250 m x 250 m. Bei der Nutzung der Kacheldarstellung ist zu beachten, dass

  • die Kacheln eine generalisierte Flächeneinheit darstellen, die ggf. nur teilweise innerhalb eines berechneten Bodenbewegungsgebietes liegt,
  • die Datengrundlage zur Berechnung der Bodenbewegungsgebiete die Höhenänderungen an einzelnen Höhenfestpunkten entlang von Nivellementslinien sind und
  • der zeitliche Abstand der zugrundeliegenden Messungen zwischen 6 und 8 Jahren beträgt und der Grenzwert von 3 mm/a von einer linearen Bewegung zwischen den Messzeitpunkten ausgeht.

Aus diesen Gründen sollte die Kacheldarstellung nicht mit großmaßstäbigen Karten gebäude- oder flurstücksscharf verschnitten werden.

Vertikale Bodenbewegungen, die ab einer Bewegungsraten von mehr als +/- 3 mm pro Jahr als qualifizierte Vertikalbewegung in amtlichen Nachweisunterlagen vermerkt werden, sind bei ingenieurtechnischen Baumaßnahmen unbedingt zu berücksichtigen. Ferner sollten alle Nutzer von Höhenfestpunkten beachten, dass in den Bodenbewegungsgebieten die Höhenangaben des amtlichen Nachweises nur zeitlich begrenzt mit ausreichender Genauigkeit verwendet werden können.

Die Bodenbewegungsgebiete liegen für Nordrhein-Westfalen flächendeckend vor.

  • Lage / Lageangabe: ETRS89/UTM32 (EPSG 25832)
  • Höhe / Höhenangabe: DHHN2016 (EPSG 7837)

8-Jahresturnus

WMS

  • Bodenbewegungsgebiete Kacheln: https://www.wms.nrw.de/geobasis/wms_nw_bodenbewegungsgebiete_kacheln

WFS

  • Bodenbewegungsgebiete Kacheln: https://www.wfs.nrw.de/geobasis/wfs_nw_bodenbewegungsgebiete_kacheln

Das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) stellt mit den Satelliten Sentinel-1A und -1B wiederkehrend (12 bzw. 6 Tage) flächendeckende Radardaten der Erdoberfläche kostenlos zur Verfügung. Diese Daten werden künftig zur Ableitung eines „Bodenbewegungskataster NRW“ und zur Qualitätssicherung des amtlichen Raumbezugs 2016 verwendet.

Dabei findet eine mehrstufige Qualitätssicherung statt, bei der die Beobachtungen nach der Methode der Persistent Scatterer Interferometrie in Kacheln von 250 m × 250 m aggregiert, ihr Bewegungsverhalten gegeneinander validiert und nicht repräsentative Werte eliminiert werden. Abschließend findet, unter Verwendung terrestrischer Referenzdaten (Nivellement), eine Überführung der geprüften Kacheln in den amtlichen Raumbezug sowie eine Ergebnisvalidierung statt.

Das Bodenbewegungskataster NRW wird im Vergleich zu den Leitnivellements eine höhere räumliche und zeitliche Auflösung liefern. Die Bereitstellung der Ergebnisse ist für Ende 2021 geplant.

Die digitalen Geobasisdaten werden nach Open Data-Prinzipien kostenfrei über automatisierte Abrufverfahren bereitgestellt. Es gelten die durch den IT-Planungsrat im Datenportal für Deutschland (GovData) veröffentlichten einheitlichen Lizenzbedingungen „Datenlizenz Deutschland – Zero“ (dl-de/zero-2-0). Jede Nutzung ist ohne Einschränkungen oder Bedingungen zulässig. Der Lizenztext ist unter www.govdata.de/dl-de/zero-2-0 abrufbar.

Die Gebühren sind in der Kostenordnung für das amtliche Vermessungswesen und die amtliche Grundstückswertermittlung in Nordrhein-Westfalen (Vermessungs- und Wertermittlungskostenordnung – VermWertKostO NRW) vom 12.12.2019 in der jeweils gültigen Fassung und dem zugehörigen Kostentarif (VermWertKostT) festgelegt (SGV.NRW.7134).

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