Erforderlichkeit der Manheimer Bucht gutachterlich bestätigt


Im Mai 2021 wurde, bedingt durch den vorzeitigen Braunkohlenausstieg, ein Braunkohlenplanänderungsverfahren für den Tagebau Hambach eingeleitet. Dazu hat die RWE Power AG einen Vorschlag zur zukünftigen Abgrenzung der Tagebaugrenze und der noch erforderlichen Flächeninanspruchnahme in Form einer Vorhabenbeschreibung vorgelegt. Diese sieht die Ausgestaltung der sogenannten „Manheimer Bucht“ vor, um die erforderlichen Abraummassen für eine dauerhaft standsichere Böschungsmodellierung zu gewinnen.

Erforderlichkeit der Manheimer Bucht gutachterlich bestätigt

Um die Erforderlichkeit und die Plausibilität der zugrundeliegenden Volumenbilanz der Bergbautreibenden zu überprüfen, wurde im Sommer 2021 durch die Bezirksregierung Köln ein unabhängiges Fachgutachten öffentlich ausgeschrieben und an die ahu GmbH vergeben, die dieses in Zusammenarbeit mit der FUMINCO GmbH und der ZAI mbH bearbeitete. Ziel dieses Gutachtens war es die Abraumbilanzen der Bergbautreibenden nachzuvollziehen, kritisch zu überprüfen und mögliche Planungsalternativen zu finden. Den Schwerpunkt bildeten dabei die für eine dauerhafte Standfestigkeit des Gesamtböschungssystems und insbesondere der Nordrandböschung vor Elsdorf unbedingt erforderlichen Massen. Damit einher ging auch eine Alternativenprüfung, die die Erforderlichkeit der Inanspruchnahme der Manheimer Bucht insgesamt und auch potenzielle Masseneinsparungen, die zu einer Verkleinerung dieser Flächeninanspruchnahme führen könnten untersuchen sollte.

Dazu prüfte die Gutachtergruppe die durch RWE zur Verfügung gestellten Daten und Bilanzen sowohl gewinnungs-, als auch bedarfsseitig quantitativ und qualitativ und bewertete diese aus fachlicher Sicht. Durch die Entwicklung von eigenen 3D-Modellierungen konnte die vorgelegte Bilanzierung der Bergbautreibenden im Wesentlichen bestätigt werden. Das Erfordernis der Inanspruchnahme der Manheimer Bucht in der durch die RWE Power AG vorgesehenen Größenordnung wird durch die Gutachter eindeutig festgestellt.

Erforderlichkeit der Manheimer Bucht gutachterlich bestätigt

Die Alternativenbetrachtung im Rahmen des Gutachtens orientiert sich zum einen stark an den öffentlich diskutierten Varianten, untersucht deren Umsetzungspotenzial und entwickelt darüber hinaus eigene Ideen zur Einsparung von Material, das zu einer potenziellen Verkleinerung der Flächeninanspruchnahme beitragen soll.

So wird im Ergebnis die Rückinanspruchnahme der Innenkippe als keine Option herausgestellt und auch der Verzicht auf die Kohlegewinnung kann keinen Beitrag zur Masseneinsparung leisten. Ein mögliches Einsparpotenzial kann allerdings durch eine reduzierte Überhöhung der landwirtschaftlichen Hochfläche auf der überhöhten Innenkippe identifiziert werden. Die durch den Braunkohlenausschuss beauftragten unabhängigen Gutachter schätzen hier eine Einsparung von max. 10 Mio. m³ standsicherem Material ab. Dadurch könnte die Manheimer Bucht um etwa 25-30 ha verkleinert und ein Erhalt der Kirche in Manheim-Alt gesichert werden.

Die Gutachter verweisen allerdings auch auf die insgesamt sehr angespannte Gesamtbilanz im Tagebau Hambach, die exakte Abgrenzung der Manheimer Bucht gilt es deshalb nun mit der Bergbautreibenden zu erörtern. In ersten Abstimmungsgesprächen zeigt sich diese in Bezug auf den Erhalt der Kirche sehr optimistisch.

Erforderlichkeit der Manheimer Bucht gutachterlich bestätigt

Die Regionalplanungsbehörde Köln wird sich dazu in den nächsten Wochen mit der RWE Power AG abstimmen, damit im nächsten Braunkohlenausschuss ein aktualisiertes Plankonzept vorgestellt und behandelt werden kann. Dieses wird dann die Grundlage für das weitere Planverfahren und den zu erarbeitenden Vorentwurf mit Entwurf eines Umweltberichts werden. Ein Beschluss dieses Vorentwurfs (sogenannter Aufstellungsbeschluss) ist für das erste Quartal 2023 vorgesehen. Daran wird sich das Beteiligungsverfahren anschließen und der Entwurf öffentlich ausgelegt werden. Hier besteht für Bürger*innen und Träger öffentlicher Belange die Möglichkeit der Stellungnahme. Nach Einarbeitung potentieller Änderungen und Berücksichtigung der eingegangenen Stellungnahmen soll der Braunkohlenplan schließlich Ende 2024 festgestellt und durch die Landesregierung genehmigt werden. Der Plan bildet die raumordnerische Grundlage für die sich anschließenden bergrechtlichen Zulassungsverfahren für die konkreten Detailplanungen.