Löschwassereinleitung der Currenta in den Rhein


Nach der Explosion eines Abfalltanks der Firma Currenta in Leverkusen im Juli dieses Jahres wurde im Rahmen der Gefahrenabwehr bei Löscharbeiten kontaminiertes Löschwasser über die Kläranlage in den Rhein eingeleitet.

Dazu folgende Stellungnahme:

Die Bezirksregierung Köln wurde einen Tag nach der Explosion darüber informiert, dass der Krisenstab der Currenta im Rahmen der Gefahrenabwehr entschieden hatte, Teile der aufgefangenen Wassermengen unter Zudosierung von Aktivkohle in die reguläre Abwasserbehandlung einzuleiten. Die Begründungen der Fa. Currenta für die unmittelbar notwendige Maßnahme im Rahmen der Gefahrenabwehr ist im Nachhinein nachvollziehbar. Zur Kontrolle der am Ablauf der Kläranlage in den Rhein eingeleiteten Stoffe wurde mit dem LANUV NRW ein Messprogramm vereinbart. Dabei wurde der Stoff Clothianidin über einen Zeitraum von 9 Tagen mit einer maximalen Konzentration von 120 µg/l im Ablauf der Kläranlage gefunden. Anders als bei anderen Stoffen existiert für Clothianidin kein Grenzwert in Form einer Gewässerkonzentration im Rhein. Es existiert ein Orientierungswert von 0,08 µg/l, ab dem weitere Maßnahmen zu veranlassen sind. Gemäß einer Mischungsrechnung des LANUV NRW wurde dieser Wert im Rhein nicht erreicht, das heißt unterschritten. Aufgrund der erheblichen Verdünnung im Rhein wurde eine Clothianidin-Konzentration von 0,035 µg/l im Rhein berechnet. Auch die Schwellenwerte der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR) zur Auslösung des Rheinalarms wurden nicht erreicht. Diese betragen für Pflanzenschutzmittel 0,3 µg/l im Rhein und 15 kg pro Tag in der Einleitung. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden gemäß den Vorgaben des Umweltinformationsgesetzes veröffentlicht: https://www.elwasweb.nrw.de .

Zur möglichen Unfallursache hat die Bezirksregierung bereits mehrfach berichtet, auch wenn sie noch nicht vollständig aufgeklärt ist. Nach bisherigem Erkenntnisstand der Sachverständigenuntersuchung war es nicht der Zustand der technischen Anlagen, sondern die Eigenschaften des Abfalls und der Umgang damit, die zur Explosion geführt haben. Deshalb prüfen die Sachverständigen zudem das Sicherheitsmanagement der Fa. Currenta und die Regelungen zur Organisation der Abfallströme. Erst wenn diese Prüfungen abgeschlossen sind und Maßnahmen zur sicheren Verhinderung vergleichbarer Unfälle entwickelt worden sind, kann an eine Wiederinbetriebnahme gedacht werden. Dabei ist die technische Integrität jedes Anlagenteils vor der Wiederinbetriebnahme nur ein Teil der Voraussetzungen.

Die BR Köln als Überwachungsbehörde und das LAUNV NRW werden vor einer Inbetriebnahme prüfen, ob die gesetzlichen, sicherheitstechnischen und sicherheitsmanagementspezifischen Anforderungen zur Verhinderung ähnlicher Unfälle erfüllt werden.

Es ist darüber hinaus vorgesehen, dass die bisher gewonnenen Erkenntnisse und alle weiteren Schritte von einem unabhängigen Gutachterteam unter Leitung von Professor Jochum, dem langjährigen Leiter der Kommission für Anlagensicherheit, bewertet werden und unter größtmöglicher Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgen.

Dazu wird ein Begleitkreis eingerichtet, dessen Mitglieder sich aus Vertreter:innen der betroffenen Kommunen und der Lokalpolitik sowie den NGOs und Anwohner:innen aus Leverkusen zusammensetzen. Damit soll weitere Transparenz im Verfahren geschaffen werden. Außerdem wird damit die Möglichkeit eröffnet, die Belange des Begleitkreises direkt in das weitere Verfahren einfließen zu lassen.