Rosanna Parvez, technische Sachbearbeiterin für Natur- und Landschaftsschutz
Wer sind Sie und was machen Sie bei der Bezirksregierung Köln?
Antwort Rosanna Parvez: Ich bin Rosanna Parvez und arbeite seit einem Jahr bei der höheren Naturschutzbehörde. Im Dezernat 51 vertrete ich als technische Sachbearbeiterin für Natur- und Landschaftsschutz in erster Linie die Belange von Natur und Landschaft. Zu meinen Hauptaufgaben gehört die fachliche Prüfung von Planungs- und Zulassungsverfahren für Bauvorhaben im Außenbereich, etwa Straßenbau, Schieneninfrastruktur oder Tagebauprojekte. Dafür erstelle ich Stellungnahmen, prüfe Artenschutzgutachten und begleitende Schutzmaßnahmen. Oft wenden sich die sogenannten Vorhabenträger schon im Vorfeld eines Bauprojekts oder einer Maßnahme an uns, um zum Beispiel den Unterlagen- und Kartierumfang abzustimmen. Das gehört alles zum Sachbereich 1, das kürzen wir SB1 ab. Zusätzlich arbeite ich auch im SB3 und bearbeite dort Förderanträge für Naturschutzprojekte, die zum Beispiel den Ökosystemverbund im rheinischen Revier stärken, und prüfe naturschutzbezogene Eingaben von Verbänden und Bürger:innen.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Antwort Rosanna Parvez: Mein Tag beginnt meist mit der Prüfung eingegangener Anträge und der Erstellung von Stellungnahmen. Oft ergeben sich dabei Rückfragen, die ich im Team kläre. Das kann sowohl im Büro als auch von zu Hause in Telearbeit erfolgen. Ich persönlich nutze den vollen Telearbeitsumfang und habe zwei feste Bürotage. Im Büro habe ich zwei Bildschirme, für manche Arbeiten ist das sehr hilfreich, außerdem können wir uns hier noch besser im Team austauschen. Zum Beispiel haben wir einen wöchentlichen SB1-Stammtisch, für unsere Planungs- und Zulassungsverfahren. Da besprechen wir aktuelle Fälle und holen gerne weitere Meinungen ein.
Einmal im Monat haben wir außerdem unsere SB1-Sitzung. Hier klären wir umfassendere Fragen aus dem Sachbereich mit unserer Dezernentin. Da geht es unter anderem um rechtliche Änderungen und den Erfahrungsaustausch. Durch Input-Vorträge aus den verschiedenen Bereichen gewinnen wir einen guten Eindruck über den eigenen Arbeitsbereich hinaus.
Gelegentlich bin ich auch vor Ort, um Fördermaßnahmen oder Ausgleichsmaßnahmen zu prüfen.
Welche Aufgaben bereiten Ihnen besonders Freude und wo liegen Herausforderungen?
Antwort Rosanna Parvez: Der direkte Austausch mit den verschiedenen Beteiligten eines Verfahrens und die Vernetzung mit den anderen Dezernaten machen mir Spaß. Als Beispiel fällt mir da die Rekultivierung einer ehemaligen Deponie für Asche und Rotschlamm bei Frechen ein. Da konnte ich sehr eigenverantwortlich vorgehen, habe mir ein eigenes Bild vor Ort gemacht und mich mit allen Beteiligten – auch den Betreibern der Deponie – ausgetauscht, um Lösungen zu finden, die für alle umsetzbar sind.
Ein anderer Tag der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war die Überprüfung von unseren Verwendungsnachweisen vor Ort. In einem kleinen Team waren wir den ganzen Tag in Naturschutzgebieten unterwegs, in denen Maßnahmen gefördert wurden. Unter anderem war das ein besonderes Eidechsenhabitat in einem Hangwald. Als einfache Spaziergängerin wäre mir das gar nicht aufgefallen: Auf nach Süden exponierten Flächen wurden Gehölze rausgenommen und kleine Rohbodenflächen angelegt, damit die Sonne direkt draufscheinen kann. Ein idealer Ort vor allem für die stark gefährdeten Mauereidechsen, besonders im Zusammenhang mit den zahlreichen Versteckmöglichkeiten am Waldrand. Mich fasziniert, wie Planungen vor Ort umgesetzt werden und wie selbst kleine Eingriffe große ökologische Effekte haben.
Herausfordernd war der Fall einer ehemaligen Deponiefläche, deren Rekultivierungsplan aus den frühen 90er Jahren stammte. Da haben wir tatsächlich die alten Akten rausgesucht und zusätzlich das Forstamt Wald und Holz zum Ortstermin hinzugezogen. Da konnten wir unser Wissen erweitern und voneinander profitieren. Ich fand es richtig gut, dass der zuständige Sachbearbeiter eine so große Offenheit für die Naturschutzbelange hatte, die können unsere Einbindung nämlich selbst beeinflussen.
Wie sind Sie zu Ihrer Position gekommen und welche Voraussetzungen braucht man für diese Arbeit?
Antwort Rosanna Parvez: Nach dem Abi habe ich Umweltwissenschaften an der Uni Oldenburg studiert. Nebenbei habe ich auf dem Wochenmarkt gearbeitet und über drei Jahre ein freiwilliges Praktikum in einem Umweltbildungszentrum gemacht. Dort habe ich Projekte mit Grundschulkindern umgesetzt. Das hat mir besonders viel Spaß gemacht, auch wenn es nicht direkt mit meiner jetzigen Arbeit zu tun hatte.
Nach dem Studium sind meine Frau und ich nach Köln umgezogen, sie hat hier einen guten Job gefunden und ich war zunächst in Elternzeit. Dann wollte ich beruflich durchstarten und habe mich bei der Bezirksregierung beworben. Für die Arbeit hier braucht man fachliche Grundlagen, etwa aus Umweltplanung, Landschaftsökologie oder Landespflege, und die Bereitschaft, sich Neues anzueignen. Ich muss dazu sagen, auch wenn viele Inhalte stimmten, Umweltwissenschaften ist nicht der klassische Studiengang für meine jetzige Arbeit. Darum kann ich Interessent:innen nur dazu raten, sich nicht so leicht von beeindruckenden Stellenausschreibungen abschrecken zu lassen. Und auch nicht von dem Vorstellungsgespräch, in dem ich gleich fünf Leuten gegenübersaß und etwas eingeschüchtert war. Ich hatte schnell positives Feedback.
Die Einarbeitung war sehr angenehm und effizient geplant. Insbesondere durch das Tandemsystem, also der unmittelbaren Zusammenarbeit mit einer dienstälteren Kollegin, habe ich viel gelernt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, langfristig in der Bezirksregierung und auch in meinem Dezernat zu bleiben. Wer weiß, vielleicht schließe ich irgendwann noch einen Master ab, der für die Arbeit als Dezernentin erforderlich ist.
Welche Vorteile sehen Sie in der Arbeit im öffentlichen Dienst und speziell bei der Bezirksregierung Köln?
Antwort Rosanna Parvez: Ich habe das Gefühl, im öffentlichen Dienst hat man einen besonders familienfreundlichen Arbeitsplatz. Man hat Gleitzeit und die Möglichkeit, auf Teilzeit umzusteigen. Das eröffnet sehr viele Optionen. Durch die Möglichkeit der Telearbeit spart man sehr viel Zeit durch die fehlenden Wegezeiten und kann viel mehr am Familienleben teilhaben.
Es werden immer wieder Fortbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten eröffnet und auch hier wird auf den familiären Hintergrund geachtet und nach Lösungen gesucht, wenn diese beispielsweise nicht vor Ort stattfinden. Grundsätzlich erlebe ich die Kollegen und Kolleginnen hier als sehr reflektiert und verständnisvoll. Ich habe das Gefühl, dass persönliche Einbindung hier nicht zu Karrierenachteilen führt.
Eigenverantwortlichkeit wird groß geschrieben zugleich kann ich immer auf die Kolleg:innen oder Vorgesetzten zugehen. Man trifft immer auf offene Ohren. Niemand fühlt sich durch Nachfragen gestört, es herrscht eine sehr wertschätzende Arbeitsweise und die Hierarchien sind eher flach. Ich finde die Atmosphäre bei uns im Team generell sehr angenehm.
Außerdem ist es für mich natürlich ein großer Vorteil, eine sinnstiftende Tätigkeit auszuüben. Ich kann mich sehr gut mit meiner Arbeit identifizieren und gehe immer gerne zur Arbeit.